Kategorie: Werden und Vergehen

  • Karfreitag

    … ein Feiertag, der zusammen mit dem Rest des Osterwochenendes dem Arbeitnehmer immerhin 4 freie Tage beschert. Da vielen Menschen mittlerweile der Glaube abhanden gekommen ist, soll der Karfreitag nicht mehr ein Tag der Besinnung und des Gedenkens an das Leiden und Sterben von Jesus sein – vielmehr möchte man auch an diesem Tag Vergnügungs- und Belustigungsveranstaltungen abhalten dürfen.

    Etwas stört mich massiv daran: Menschen, die sich längst von der Kirche abgewendet haben, reklamieren dennoch deren Feiertage auch für sich, wollen diese aber nicht in ihrem Charakter respektieren. Christ hin oder her: ein solcher Tag kann durchaus zur Besinnung, zum Nachdenken dienen über das Leben und dessen Endlichkeit, über das was Sinn macht und was eben nicht: quasi eine Art persönlicher Bestandsaufnahme. Das muss nichts mit einem persönlichen Credo zu tun haben.

    Ich wehre mich dagegen, dass jegliches kulturelle Erbe – zu dem auch christliche Feiertage gehören – mit der allgegenwärtigen Oberflächlichkeit aufgeweicht wird.

    Auch der, der nicht an einen Gott glaubt, möge den Feiertagen einen Sinn geben. Und wenn es einfach bedeutet, sich die Zeit zu nehmen, einmal von außen auf das eigene Leben zu schauen und  zu fragen, was es für einen Inhalt hat und ob man sich damit (noch) gut fühlt.

  • Ziele

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    Wir Menschen neigen dazu, uns große und weite Ziele zu stecken, „etwas aus unserem Leben machen“ zu wollen. Doch damit tun wir uns oft nicht wirklich einen Gefallen. Ziele sind sicher nützlich, da sie unserem Leben eine Richtung geben, wie ein Leuchtturm, an dem wir unserem Kurs ausrichten können. Aber viele Menschen legen den Begriff „Ziel“ zu eng – und meist materialistisch – aus.

    Indem ich mein Tun und Lassen an einem Ziel ausrichte, enge ich auch meine Wahrnehmung und meine Möglichkeiten ein. Plötzlich fällt jede Aktion in eine der Kategorien „dienlich“ und „unnütz“. Umwege kosten Zeit und Geld und sind daher zu vermeiden! Wirklich? Wie oft ist es uns im Leben passiert, dass wir auf einem Umweg etwas wahrgenommen oder erlebt haben, was uns ansonsten nicht zuteil geworden wäre? Etwas Besonderes, von dem wir noch lange zehren!

    Wie ist es mit Zielen, die mit unserem Leben, unserem Fühlen und unserer Seele zu tun haben? Ziele, die sich nicht so präzise messen und verifizieren lassen wie solche, die mit Geld und Besitz zu tun haben! Und es stellt sich die Frage, ob nicht gerade die materiellen Ziele den Anderen (und möglicherweise wesentlichen) im Wege stehen…?
    Eines meiner aktuellen Ziele ist es, das Leben nicht zu vergessen, während ich auf ein längerfristiges Ziel hinarbeite. Das mag den Zeitraum bis zum Erreichen meines Wunsches verlängern, aber dafür nehme ich mir jeden Tag die Zeit, etwas für mich zu tun und nicht Vieles zu unterdrücken – quasi mein Erleben zeitweise auf Eis zu legen – nur um „schneller anzukommen“. Das halte ich für ganz wesentlich: sich aus der Tretmühle des Alltags immer wieder herauszunehmen und sich den Moment bewusst zu machen; mit wachen Sinnen den Moment zu (er)leben. Einen Moment inne zu halten, einen kleinen Umweg gehen, etwas anders zu machen als sonst … das gibt dem Leben neue Impulse und lässt unsere Gedanken in neue Bahnen fließen.

    Was hat das mit dem Morpho zu tun? Ich hatte das Ziel, endlich einmal ein richtig schönes Foto dieses Schmetterlinges zu machen. Doch in den gängigen Schmetterlingshäusern ist immer so viel los, dass die Tiere schnell aufgeschreckt werden. Hat man dann einen Falter in schöner Positur erspäht, sind genügend andere Besucher da, die ihn auch sehen und ablichten wollen, und meist ist er weg, bevor man zum Zuge kommt. Man kann natürlich dieses Ziel verbissen so lange verfolgen, bis es endlich funktioniert. In diesem (Zu)Fall war es ein ganz kleines Schmetterlingshaus mit sehr wenigen Besuchern, wo es völlig ungeplant geklappt hat. Umso größer die Freude!
    Leichtigkeit und wache Sinne bringen uns oft weiter als Verbissenheit – in jedem Fall sind sie besser für unsere Gesundheit und unsere Seele!!!

  • Die Perseiden …

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    …sind uns als Meteorschauer im August bekannt und werden auch ‚Laurentius-Tränen‘ genannt. Ich wollte sie dieses Jahr wegen der günstigen Bedingungen (fast Neumond, wolkenloser Himmel) noch intensiver als sonst verfolgen und habe mich deshalb in der zweiten Nachthälfte ins Feld begeben. Wirklich viele habe ich leider trotzdem nicht gesehen, und das Fotografieren war auch deshalb recht schwierig. Im Laufe der Zeit hat sich das Rauschen durch die Sensorerwärmung deutlich verstärkt. So habe ich nur dieses stark durch die Mangel gedrehte Bild anzubieten, ‚besser als nichts‘.

    Dieser 13.08. hat vieles Andere noch gebracht, manch Gutes, aber auch einen schweren Gang … und das Gefühl, dass es bei Weitem nicht genug Sternschnuppen gibt für die guten Wünsche, die die Welt und die Menschen so dringend nötig haben.

  • Die Menschheit …

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    … ist nichts weiter als eine parasitische Zecke, die sich am momentanen Überfluss labt, solange die Meere niedrig sind und das Klima vergleichsweise gnädig ist. Doch die gegenwärtige Anordnung von Land und Meer wird sich ändern und mit ihr unsere kurze Vormachtstellung.“

    (Richard Fortey)

  • Loslassen

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    Heute vor zwei Jahren habe ich Abschied von unserer Mutter nehmen müssen … müssen und dürfen. Denn auch wenn es sehr schwer war, so hatte ich wenigstens die Gelegenheit dazu…

    Doch Loslassen hat viele Bedeutungen, und ich glaube, dass dies den meisten Menschen nicht so recht bewusst ist. Für die, die es lesen – bedenken – mögen und vor allem auch für meine Kinder möchte ich die folgenden Zeilen zitieren:

    Loslassen

    Loslassen heißt nicht, gleichgültig werden. Es heißt:  ich kann nichts für jemand anderen tun.
    Loslassen heißt nicht, sich entziehen. Es ist das Erkennen, das ich niemand anderen kontrollieren kann.
    Loslassen heißt nicht, einen anderen ermächtigen, sondern zulassen, dass  er von natürlichen Konsequenzen lernt.
    Loslassen heißt, Machtlosigkeit zugeben. Das bedeutet: Das Ergebnis liegt nicht in meiner Hand.
    Loslassen heißt nicht, einen anderen zu ändern zu versuchen oder ihn anzuklagen.

    Ich kann mich nur selbst ändern!

    Loslassen heißt nicht, sorgen für jemanden, sondern sich um jemanden sorgen.
    Loslassen bedeutet nicht richten, sondern einem anderen erlauben, ein Mensch zu sein.
    Loslassen heißt nicht, Resultate festzusetzen, sondern erlauben, eigene Resultate zu bewirken.
    Loslassen heißt nicht, beschützen, sondern einem anderen erlauben, der Realität ins Gesicht zu sehen.
    Loslassen heißt nicht, verneinen, sondern akzeptieren.
    Loslassen heißt nicht, nörgeln, schimpfen oder streiten, sondern meine eigenen Schwächen herauszufinden und zu korrigieren.
    Loslassen heißt nicht, alles meinen Wünschen anpassen, jeden Tag so nehmen wie er kommt und den Augenblick zu schätzen.
    Loslassen heißt nicht, jemanden zu kritisieren oder jemanden zu  reglementieren, sondern versuchen, das zu werden, wovon ich träume, dass ich es kann.
    Loslassen heißt nicht, Vergangenes bereuen, sondern wachsen und für die Zukunft leben.

    Loslassen heißt:
    WENIGER FÜRCHTEN UND MEHR LIEBEN !

    (Verfasser unbekannt)

     

  • Stauwerk

    Dieses Gebäude gehört zu einem verwunschenen und verbotenen Ort meiner Kindheit – dem ‚Stauwerk‘. Ende der 30er / Anfang der 40er Jahre errichtet, kenne ich es nur als immer weiter verwitternde Hülle.

    In den eigentlichen Betrieb gegangen ist es übrigens nie …

  • Marode

    Altes, gammeliges Zeug? Eine Schande für jeden Ort?
    Oder sympathisch alt?

    Ich mag die alten Sachen, weil sie eine Geschichte haben, und weil sie in ihrem Zustand zeigen, wie wir weit über 99% unserer menschlich, bäuerlichen Geschichte gelebt haben. Mit wenig Geld – gerade immer so viel, dass man sich über die Runden bringen konnte. Da war für rechtwinklig exakte Ausführung weder Zeit noch Geld da. Und so sah alles auch aus. Aber es funktionierte …

    Heute, wo die Geschichte eines alten Hauses schnell unter einer dicken Schicht Dämmputz verschwindet, mit Eckwinkeln gerichtet und sauber glattgezogen ist, wird das Haus beliebig, austauschbar.

    Schade drum!

  • Golgatha …

    … heißt ‚Schädelstätte‘, und so möchte ich heute am Karsamstag dieses Bild hochladen.
    Es ist mir wichtig, dass (frei von Effekthascherei) dieses Bild zum Nachdenken anregt und dazu, diese Menschen und das, was sie im Leben bewegt hat und was sie geleistet haben, anzuerkennen. Es waren Menschen, die in einer kleinen Abtei gelebt und gearbeitet haben.

    Ach ja: was mir noch wichtig ist:
    Es gibt ein Leben vor dem Tod, und deshalb sollte man hier und jetzt das Leben bewusst erleben. Das bedeutet aber nicht, seine Sinne mit Reizüberflutung zu verkleistern, sondern sich Zeit und Gelegenheit zu geben, Eindrücke aufzunehmen. Das wiederum bedeutet, die Zahl der Reize zu verringern und sich Zeit zur bewussten Wahrnehmung zu geben. Damit sind wir beim Thema ‚Entschleunigung‘ … aber dieses Thema werden wir ein anderes Mal genauer betrachten.

    Einen nachdenklichen Karsamstag!