Wir Menschen neigen dazu, uns große und weite Ziele zu stecken, „etwas aus unserem Leben machen“ zu wollen. Doch damit tun wir uns oft nicht wirklich einen Gefallen. Ziele sind sicher nützlich, da sie unserem Leben eine Richtung geben, wie ein Leuchtturm, an dem wir unserem Kurs ausrichten können. Aber viele Menschen legen den Begriff „Ziel“ zu eng – und meist materialistisch – aus.
Indem ich mein Tun und Lassen an einem Ziel ausrichte, enge ich auch meine Wahrnehmung und meine Möglichkeiten ein. Plötzlich fällt jede Aktion in eine der Kategorien „dienlich“ und „unnütz“. Umwege kosten Zeit und Geld und sind daher zu vermeiden! Wirklich? Wie oft ist es uns im Leben passiert, dass wir auf einem Umweg etwas wahrgenommen oder erlebt haben, was uns ansonsten nicht zuteil geworden wäre? Etwas Besonderes, von dem wir noch lange zehren!
Wie ist es mit Zielen, die mit unserem Leben, unserem Fühlen und unserer Seele zu tun haben? Ziele, die sich nicht so präzise messen und verifizieren lassen wie solche, die mit Geld und Besitz zu tun haben! Und es stellt sich die Frage, ob nicht gerade die materiellen Ziele den Anderen (und möglicherweise wesentlichen) im Wege stehen…?
Eines meiner aktuellen Ziele ist es, das Leben nicht zu vergessen, während ich auf ein längerfristiges Ziel hinarbeite. Das mag den Zeitraum bis zum Erreichen meines Wunsches verlängern, aber dafür nehme ich mir jeden Tag die Zeit, etwas für mich zu tun und nicht Vieles zu unterdrücken – quasi mein Erleben zeitweise auf Eis zu legen – nur um „schneller anzukommen“. Das halte ich für ganz wesentlich: sich aus der Tretmühle des Alltags immer wieder herauszunehmen und sich den Moment bewusst zu machen; mit wachen Sinnen den Moment zu (er)leben. Einen Moment inne zu halten, einen kleinen Umweg gehen, etwas anders zu machen als sonst … das gibt dem Leben neue Impulse und lässt unsere Gedanken in neue Bahnen fließen.
Was hat das mit dem Morpho zu tun? Ich hatte das Ziel, endlich einmal ein richtig schönes Foto dieses Schmetterlinges zu machen. Doch in den gängigen Schmetterlingshäusern ist immer so viel los, dass die Tiere schnell aufgeschreckt werden. Hat man dann einen Falter in schöner Positur erspäht, sind genügend andere Besucher da, die ihn auch sehen und ablichten wollen, und meist ist er weg, bevor man zum Zuge kommt. Man kann natürlich dieses Ziel verbissen so lange verfolgen, bis es endlich funktioniert. In diesem (Zu)Fall war es ein ganz kleines Schmetterlingshaus mit sehr wenigen Besuchern, wo es völlig ungeplant geklappt hat. Umso größer die Freude!
Leichtigkeit und wache Sinne bringen uns oft weiter als Verbissenheit – in jedem Fall sind sie besser für unsere Gesundheit und unsere Seele!!!


