Autor: Stephan Munsch

  • ‚Apperitis‘

    Als Verbraucher und Supermarktkunde fühle ich mich durch die aktuell sehr stark um sich greifende ‚Andienung‘ von Apps durch die Verbrauchermärkte gegängelt. In jedem Fall ist es so, dass ich – falls ich meine Daten nicht verkaufen und keine App nutzen will – erhebliche finanzielle Nachteile beim Einkauf habe.

    Meine Daten sind mir aktuell mehr wert als die Einsparung, auch wenn diese zuweilen nicht unerheblich ist. Ich frage mich aber: ist das Aufnötigen einer App als Voraussetzung dafür, Geld beim Einkaufen zu sparen überhaupt zulässig? Und ist das Voraussetzen der Nutzung einer bestimmten Technik überhaupt statthaft? Salopp formuliert könnte man im Extremfall sagen: „Wer zu arm ist um ein Handy zu nutzen kann sich das Sparen beim Einkauf nicht leisten“.

    Ich sehe da ein großes Problem und frage mich, ob man nicht gegen eine solche Verfahrensweise mit Erfolg klagen könnte. Dass so etwas von höherer Stelle hingenommen wird – oder sogar gewünscht ist – lässt mich allerdings vermuten, dass es ein übergeordnetes Interesse daran gibt, dass flächendeckend Mobiltelefone genutzt werden. Die Kontrollierbarkeit und die Lenkbarkeit der Massen über diese ‚Denkprothese‘ scheint alle anderen Bedenken auszuschalten.

    Schöne neue Welt …

  • Besinnlich …

    Wie oft liest und hört man dieser Tage den Wunsch nach einer ‘besinnlichen’ Weihnacht. Eine Zeit der Besinnung also, die man wünscht.

    Da stellt sich mir die Frage, wie ernst dieser Wunsch gemeint ist und ob er nicht mittlerweile zu einer Floskel verkommen ist. Wenn wir in die Welt sehen und feststellen, wie viel Unrecht geschieht: an der Menschlichkeit, an der Umwelt – wenn man sieht, wie sehr die Begriffe Ehrlichkeit, Verlässlichkeit, Mitgefühl an Bedeutung verlieren, dann stellt man fest, dass es dringend erforderlich ist, dass sich etwas ändert. Dazu gehört für uns Menschen eine Zeit der Reflexion – also Zeit und der Wille zum Nachdenken und die Ergebnisse des Nachdenkens dann auch wirklich umzusetzen.

    Aber unter diejenigen, die uns eine ‘besinnliche Zeit’ wünschen sind eben auch Firmen, die uns ständig mit Waren versorgen wollen, von denen man bei genauem Hinsehen auf Vieles verzichten könnte. Sollen wir also zur Besinnung kommen und unseren Konsum zurückschrauben? Das fände ich einen sehr edlen Standpunkt 😉 … man möge mir verzeihen, dass ich das nicht glauben kann.

    Besinnlich bedeutet nicht, dass man abgefüllt und apathisch im Wohnzimmersessel hockt. Es bedeutet, dass man die Zeit nutzt, um nachzudenken. Idealerweise gewinnt man dadurch Einsichten (man sollte … es wäre besser …) die das Leben positiv verändern können.

    Warum aber fühlt man sich bemüßigt, eine besinnliche Zeit zu wünschen? Weil wir das ganze Jahr über nicht mehr zur Besinnung kommen (und bedeutet dies etwa, dass wir quasi besinnungslos durchs Jahr geschoben werden)?

    Wir sollten uns bewusst werden, dass diese Art zu Leben: aus dem Stress gleich in die Zerstreuung, und ja keinen Moment ungenutzt lassen – dass uns dies zu einer Art Automaten macht – von äußeren Einflüssen getriggert hecheln wir allerlei Dingen nach und fragen uns kaum noch nach deren Sinn.

    Wir sollten uns überlegen, ob nicht das ganze Jahr lang immer wieder bewusst eine „besinnliche Auszeit“ helfen kann, unser Leben zu verbessern und zu bereichern. Das können ein paar Minuten, Stunden oder auch Tage sein, die man nutzt, um in sich hineinzuhorchen. Diese wertvollen Informationen werden vom Getöse der Welt viel zu häufig übertönt. Und außerdem tut es gut, endlich wieder einmal seinen eigenen Kopf zu nutzen, zu fragen: „Was will ich denn eigentlich selbst?“ und sich nicht ständig das Bild der Welt von Anderen zeichnen zu lassen. Klar sind wir auf Informationen von außen angewiesen. Aber wir müssen lernen, uns selbst ein Urteil zu bilden und daraus unsere Konsequenzen zu ziehen. Auch aus welchen Quellen wir unsere Informationen beziehen! Um konsequentes Handeln kommen wir nicht herum, und wir sollten unsere „Freiheit des selbständigen Denkens“ – einmal wiedergewonnen – nicht mehr aus der Hand geben.

    Das Jahr war sehr vielfältig, und es gab viele Momente, die mich sehr betroffen gemacht haben. Mein größter Wunsch ist, dass die Menschen sich nicht mehr wie ferngesteuerte Idioten verhalten, die jeder Angstmacher in eine beliebige Richtung lenken kann.

    Wir haben / die Welt hat große Probleme, die wir nicht durch Egoismus und ganz besonders auch nicht mit Rezepten lösen kann, die ein dreiviertel Jahrhundert alt sind (und damals schon versagt haben). Ihnen ist auch nicht durch das Fortschreiben der bisherigen (Miss-)Wirtschaft beizukommen. Es werden auch hier gute neue Ideen und die Bereitschaft benötigt, neue Wege zu gehen.

    In diesem Sinne wünsche ich uns allen eine besinnliche Zeit verbunden mit der Hoffnung, dass endlich ein paar Menschen wieder zur Besinnung kommen …

  • Karfreitag

    … ein Feiertag, der zusammen mit dem Rest des Osterwochenendes dem Arbeitnehmer immerhin 4 freie Tage beschert. Da vielen Menschen mittlerweile der Glaube abhanden gekommen ist, soll der Karfreitag nicht mehr ein Tag der Besinnung und des Gedenkens an das Leiden und Sterben von Jesus sein – vielmehr möchte man auch an diesem Tag Vergnügungs- und Belustigungsveranstaltungen abhalten dürfen.

    Etwas stört mich massiv daran: Menschen, die sich längst von der Kirche abgewendet haben, reklamieren dennoch deren Feiertage auch für sich, wollen diese aber nicht in ihrem Charakter respektieren. Christ hin oder her: ein solcher Tag kann durchaus zur Besinnung, zum Nachdenken dienen über das Leben und dessen Endlichkeit, über das was Sinn macht und was eben nicht: quasi eine Art persönlicher Bestandsaufnahme. Das muss nichts mit einem persönlichen Credo zu tun haben.

    Ich wehre mich dagegen, dass jegliches kulturelle Erbe – zu dem auch christliche Feiertage gehören – mit der allgegenwärtigen Oberflächlichkeit aufgeweicht wird.

    Auch der, der nicht an einen Gott glaubt, möge den Feiertagen einen Sinn geben. Und wenn es einfach bedeutet, sich die Zeit zu nehmen, einmal von außen auf das eigene Leben zu schauen und  zu fragen, was es für einen Inhalt hat und ob man sich damit (noch) gut fühlt.

  • Ein Spaziergang im Feld …

    … führt einem so Manches vor Augen, bringt zum Nachdenken über Sitten und Gewohnheiten und deren Bedeutung in der heutigen Zeit.

    Dass diese Bildstöcke, von denen es in unserer Gemeinde vier Stück gibt, weiterhin bewahrt und gepflegt werden, ist schön und liebenswert. Diese Bildstöcke zeigen auf ihre Weise die einst in unserer Gegend gelebte Frömmigkeit und stellen eine Verbindung her zwischen dem Einst und dem Jetzt.

    Für mich ist der Erhalt dieser Dinge wichtig und ein Bekenntnis zu Traditionen, auch wenn diese mittlerweile oft nur noch als leere Hülle dienen, da deren Inhalte nicht mehr gelebt werden. Es reicht gerade, um einen Funken Gefühl zu vermitteln, einen Abglanz des Seinerzeitigen.

    Weihnachten hat sich ja auch vom christlichen Fest der Geburt Jesu, wo sich die Menschen als Zeichen der Liebe und des Friedens kleine(!!!) Geschenke gemacht haben, wegentwickelt. Mittlerweile ist es zum Konsum-Anreiz-Jahres-End-Fest verkommen, reine Fassade zumeist, stachelt es eher zur Sünde der Gier an als den Menschen Frieden zu schenken.

    Dass die Bildstöcke im Feld neben ihrem positiven Aspekt jedoch auch deutlich den Verfall der Werte zeigen, verwundert vor all dem nicht. Die rührende Pflege, die ihnen angedeiht steht im krassen Gegensatz zu der Zuwendung, die der … ich will es frömmelnd ausdrücken … ‚wahre Tempel des Herrn‘, die Natur, das Leben in all seinen Formen bis hin zum kleinen Insekt nicht mehr erfahren. Dieselben Menschen, die ein Sträußchen Blumen zum Heiligenbild stellen, spritzen den Tod in ihre Felder und vernichten damit die Grundlage vieler Lebensgemeinschaften in unserer Region. Die Natur wird ärmer, um der heiligen Kuh der heutigen Zeit, dem Geldverdienen, noch mehr Platz einzuräumen. Dumm nur, dass diese Betrachtungsweise kurzsichtig ist, ein solches Verhalten wird binnen Kurzem seine eigenen Grundlagen angreifen. Eine ärmere Natur liefert auch ärmere Ernten…

    Vielleicht sollten wir diese heiligen Stellen öfter aufsuchen und für mehr Verstand in dieser Zeit beten. Wir sollten bald damit anfangen, denn Gottes Mühlen …

     

  • Es geht bald los …

    Bald geht es los … so um Maria Geburt fliegen die Schwalben gen Süden. Ich hoffe auf ein Wiedersehen im kommenden Jahr und gelegentlich auf eine Trendwende. Denn aktuell sind die Bestände eher rückläufig, was auf die immer geringer werdende Insektenzahl zurückzuführen ist. Aber wir brauchen ja entsprechende Spritzmittel, damit der Landwirt höhere Erträge erzielen kann. Dadurch werden dann die erzeugten ‚Waren‘ so billlig, dass es sich lohnt, z.B. Weizen als Heizmittel zu verwenden. Einmal nach „Weizen verheizen“ ‚gurgeln‘ und es wird einem Einges klar.
    Ich bin entsetzt und halte dies für extrem abseitig …
    Jetzt ist auch verständlich, warum mir der statt ‚Waren‘ eigentlich naheliegende Begriff ‚Lebensmittel‘ nicht so recht über die Finger kommen wollte.
  • Die „gemeine Glattschnecke“

    … soll heute hier Erwähnung finden. Sie steht für mich als Symbol dafür, wie viele Wesen und Dinge wir übersehen, obwohl sie uns umgeben. Ignorant stapfen wir durch die Welt und nehmen viele Zusammenhänge nicht wahr. Warum auch sollte man eine Schnecke wahrnehmen oder kennen, deren Haus gerade einmal 5mm groß ist? Eigentlich ist es klar: wir sollten möglichst viele dieser Wesen und von deren Welt kennen, weil wir nur so um den Reichtum der Natur wissen und damit dann auch zum Nachdenken kommen. Jedes Wesen erfüllt eine Aufgabe im großen Kreislauf der Natur und so sollte man sich auch um diese Art Leben Gedanken machen. Wenn ich sehe, wie unsere Fluren ausgeräumt werden in einer Art und Weise, wie man altes Gerümpel auf den Sperrmüll schafft, macht mich das sehr betroffen. All diese Tiere sind kein Müll der Evolution, dessen man sich entledigen muss. Sie sind kleine Zahnräder im großen Getriebe der Natur. Wir Menschen sind vielfach uninteressiert oder einfach zu blöde um diese Zusammenhänge zu begreifen und oft wollen wir das auch gar nicht. Denn etwas begreifen heißt möglicherweise auch, sich über sein Verhalten Gedanken zu machen und zu spüren, dass eine Änderung vorgenommen werden muss. Aber etwas ändern wollen wir meist nicht. Zu sehr sind wir im Konsum verankert und oft scheint es, als ob es im Leben nichts mehr Lebenswertes gäbe, wenn Geld und Konsum nicht mehr die erste Geige spielen dürfen.

    Wie schon so oft und immer wieder wird dem finanziellen Reichtum jeglicher andere Reichtum geopfert – sei es der in der Natur, sei es der innere (emotionale) Reichtum. Dass letztlich auch der pekuniäre Reichtum leidet, wenn die anderen Arten des Reichtums / der Fülle gestört oder zerstört werden, ist vielen nicht klar.

    Lassen wir diese Abschweifungen und freuen uns einfach an dem Haus der gemeinen Glattschnecke, die also offenbar in unserem Garten existiert. Sie lebt in einer parallelen Welt, die sich meist unserer Wahrnehmung entzieht. Aber es ist schön, das eine oder andere dieser Wesen kennenzulernen und sich zu fragen, welche Wunder wohl noch auf diesen wenigen Quadratmetern ihrer Entdeckung harren …

  • Der grüne Blitz

    …oder auch ‚grüner Strahl‘ genannt ist eine seltene Leuchterscheinung, die man im Gebirge oder am Meer dann für einen kurzen Moment sehen kann, wenn die Sonne unter- oder aufgeht. Die Bedingungen müssen allerdings sehr gut passen. Im Urlaub habe ich mir überlegt, es einfach mal zu probieren, ob ich diesen Effekt auch einmal zu sehen bekomme. Mir war gar nicht klar, wie selten er auftritt und wie kurzlebig er ist. Man kann ihn dann am besten sehen, wenn die Luft sehr klar ist, weil die Sonne dazu direkt am Horizont sichtbar sein muss. Und die Sonne darf dazu auch nicht rot gefärbt auf- bzw. untergehen, da sonst der grüne Strahl durch die Streuung des Lichtes an z.B. Staubteilchen nicht den Beobachter erreicht.

    Ich hatte unverdientes Glück, denn ich konnte den Effekt wenigstens ein Mal beobachten … und noch mehr Glück, dass meine Kamera in der Lage war, ihn auch aufzuzeichnen. Leider kann man ihn auf dem Bild nur wirklich gut erkennen, wenn man die Belichtung um Einiges reduziert. Dadurch hat das Bild mit dem visuellen ‚luftig-hellen‘ Eindruck nicht mehr viel gemein.

    Ob dieses kleine grünliche Flimmern zwei Wochen frühes Aufstehen rechtfertigt für einen Effekt, der einem vielleicht nur auffällt, wenn man darauf hingewiesen worden ist? Ich finde ja, und für mich stellt er im Wortsinne ein ‚Highlight‘ unserer Ostseereise dar.

    imgp3256_02_der_gruene_blitz_klein

  • Schachbrettfalter

    IMGP6282_SCHACHBRETTFALTER_KLEIN

    … eigentlich nicht übermäßig selten, aber es ist in den letzten Jahren ein starker Einbruch der Schmetterlingspopulationen zu beobachten – quer durch alle Arten. Selbst Pflanzen, die früher intensiv von Faltern besucht wurden, sind nur noch sporadisch Ziel dieser herrlichen Tiere.  Bleibt uns nur, dies zu bedauern? Ich überlege, ob man nicht wenigstens ein paar ‚Inseln‘ in der Landschaft so belassen könnte, dass diese Tiere genug Nahrung finden. Dann wäre es möglich, dass diese Familie auch längerfristig überlebt.

    In unserer ausgeräumten Landschaft ist ja ansonsten kein Platz für Lebensräume, in denen diese wunderbaren Geschöpfe dauerhaft bestehen können. Die Anwendung von Pestiziden tut ihr Übriges. Der Zusammenbruch der Artenvielfalt und Individuenzahl bei den Schmetterlingen ist also wie leider üblich nur ein weiterer Kollateralschaden der intensiven Landwirtschaft.

    Natürlich kann man sich ’nichts dafür kaufen‘, wenn solche Arten weiter überleben – und aus diesem Grund ist es vielen einfach gestrickten Zeitgenossen wohl auch gleichgültig. Aber bei allem Streben nach materiellem Wohlstand nehmen wir eine Verarmung an vielen anderen Stellen in Kauf … die emotionale im zwischenmenschlichen Bereich, aber auch die in der Natur.

    Was sind wir nur für seltsame Wesen …..

     

  • Was für ein Blödsinn …

    Ein Nandu der steht tief im Wald,
    es ist ihm an den Füßen kalt,
    und er ist wirklich sehr verbittert,
    dieweil er stark vor Kälte zittert,
    Weshalb er schnell in Facebook postet,
    „bin grad im Forst, ganz tiefgefrostet“.

    IMGP2535_NANDU_KLEIN


    Mische ein bisschen Torheit in dein ernsthaftes Tun und Trachten! Albernheiten im rechten Moment sind etwas ganz Köstliches. (Horaz)

  • Die Schachblume

    …auch Schachbrettblume oder Kiebitzei genannt wollte ich immer schon einmal ‚in natura‘ erleben. Immer wieder habe ich mir gesagt: ’nächstes Jahr‘, aber dieses Jahr habe ich mir die Freude endlich gegönnt!

    Auch wenn ich nur wenige Stunden verweilen konnte und das Licht für das Fotografieren nicht wirklich optimal war, habe ich den Aufenthalt dort sehr genossen. In der Zukunft möchte ich mich wieder dorthin begeben und mit mehr Muße – so hoffe ich – bessere Bilder finden und ablichten. So bleibt mir für dieses Jahr das Gefühl, etwas Besonderes erlebt zu haben und die Hoffnung auf noch möglichst viele Gelegenheiten für außergewöhnliche Momente.

    IMGP0601_01_SCHACHBLUME_KLEIN

    Es nutzt nichts, Pläne zu machen, wenn bei passender Gelegenheit dann wieder der innere Schweinehund (und damit die Bequemlichkeit) die Oberhand gewinnt. Nur im Tun kann man die Freude gewinnen!