
Wie oft liest und hört man dieser Tage den Wunsch nach einer ‘besinnlichen’ Weihnacht. Eine Zeit der Besinnung also, die man wünscht.
Da stellt sich mir die Frage, wie ernst dieser Wunsch gemeint ist und ob er nicht mittlerweile zu einer Floskel verkommen ist. Wenn wir in die Welt sehen und feststellen, wie viel Unrecht geschieht: an der Menschlichkeit, an der Umwelt – wenn man sieht, wie sehr die Begriffe Ehrlichkeit, Verlässlichkeit, Mitgefühl an Bedeutung verlieren, dann stellt man fest, dass es dringend erforderlich ist, dass sich etwas ändert. Dazu gehört für uns Menschen eine Zeit der Reflexion – also Zeit und der Wille zum Nachdenken und die Ergebnisse des Nachdenkens dann auch wirklich umzusetzen.
Aber unter diejenigen, die uns eine ‘besinnliche Zeit’ wünschen sind eben auch Firmen, die uns ständig mit Waren versorgen wollen, von denen man bei genauem Hinsehen auf Vieles verzichten könnte. Sollen wir also zur Besinnung kommen und unseren Konsum zurückschrauben? Das fände ich einen sehr edlen Standpunkt 😉 … man möge mir verzeihen, dass ich das nicht glauben kann.
Besinnlich bedeutet nicht, dass man abgefüllt und apathisch im Wohnzimmersessel hockt. Es bedeutet, dass man die Zeit nutzt, um nachzudenken. Idealerweise gewinnt man dadurch Einsichten (man sollte … es wäre besser …) die das Leben positiv verändern können.
Warum aber fühlt man sich bemüßigt, eine besinnliche Zeit zu wünschen? Weil wir das ganze Jahr über nicht mehr zur Besinnung kommen (und bedeutet dies etwa, dass wir quasi besinnungslos durchs Jahr geschoben werden)?
Wir sollten uns bewusst werden, dass diese Art zu Leben: aus dem Stress gleich in die Zerstreuung, und ja keinen Moment ungenutzt lassen – dass uns dies zu einer Art Automaten macht – von äußeren Einflüssen getriggert hecheln wir allerlei Dingen nach und fragen uns kaum noch nach deren Sinn.
Wir sollten uns überlegen, ob nicht das ganze Jahr lang immer wieder bewusst eine „besinnliche Auszeit“ helfen kann, unser Leben zu verbessern und zu bereichern. Das können ein paar Minuten, Stunden oder auch Tage sein, die man nutzt, um in sich hineinzuhorchen. Diese wertvollen Informationen werden vom Getöse der Welt viel zu häufig übertönt. Und außerdem tut es gut, endlich wieder einmal seinen eigenen Kopf zu nutzen, zu fragen: „Was will ich denn eigentlich selbst?“ und sich nicht ständig das Bild der Welt von Anderen zeichnen zu lassen. Klar sind wir auf Informationen von außen angewiesen. Aber wir müssen lernen, uns selbst ein Urteil zu bilden und daraus unsere Konsequenzen zu ziehen. Auch aus welchen Quellen wir unsere Informationen beziehen! Um konsequentes Handeln kommen wir nicht herum, und wir sollten unsere „Freiheit des selbständigen Denkens“ – einmal wiedergewonnen – nicht mehr aus der Hand geben.
Das Jahr war sehr vielfältig, und es gab viele Momente, die mich sehr betroffen gemacht haben. Mein größter Wunsch ist, dass die Menschen sich nicht mehr wie ferngesteuerte Idioten verhalten, die jeder Angstmacher in eine beliebige Richtung lenken kann.
Wir haben / die Welt hat große Probleme, die wir nicht durch Egoismus und ganz besonders auch nicht mit Rezepten lösen kann, die ein dreiviertel Jahrhundert alt sind (und damals schon versagt haben). Ihnen ist auch nicht durch das Fortschreiben der bisherigen (Miss-)Wirtschaft beizukommen. Es werden auch hier gute neue Ideen und die Bereitschaft benötigt, neue Wege zu gehen.
In diesem Sinne wünsche ich uns allen eine besinnliche Zeit verbunden mit der Hoffnung, dass endlich ein paar Menschen wieder zur Besinnung kommen …