Autor: Stephan Munsch

  • Getretener Quark wird breit, nicht stark …

    Lange Jahre musste man sich vorher recht gut überlegen, was man schrieb, denn ein Fehler hatte relativ gravierende Folgen. Zum Beispiel, dass der Lehrer – der ein Radieren im Hausheft nicht gestattet hat – die Aufgabe neu schreiben ließ oder als nicht genügend bewertete! Oh ja, das gab es! Oder ein Schreiben auf der Maschine musste komplett neu getippt werden. Spätestens ab der dritten Verwendung von Tipp-Ex sah es nämlich nicht mehr seriös aus 😉 . Und auch wenn ein formulierter Sachverhalt sich hinterher doch nicht so ganz schlüssig las, war eine Neufassung angesagt. Damals musste man recht ‚formulierungssicher‘ sein, und das Schreiben von Konzepten war oft geübte Praxis.

    Als dann die Computer verfügbar waren, bekam das Schreiben eine ganz andere Qualität. Ich erinnere mich noch, wie es mir seinerzeit Spaß machte, einen Text immer und immer wieder abzuändern – Schreiben wurde ‚dynamischer‘, denn ein Text konnte quasi ‚plastisch‘ werden: in andere Absatzformate fließen, oder sein Aussehen durch Schrift-Arten und -Attribute verändern. Der Computer bot die Möglichkeit, mehr Zeit zum Feilen am Ausgangsmaterial aufzuwenden.

    Mittlerweile ist durch die weiter fortschreitende Computerisierung und gerade auch durch das Internet das hastige Zusammenstoppeln von Textpassagen zu oberflächlichen Elaboraten gang und gäbe. Jeder Lehrer kann es an der Qualität vieler ihm vorliegenden Referate erkennen. Oft machen sich die Schüler nicht mal mehr die Mühe, die Versatzstücke, aus denen sie ihre Hausarbeiten zimmern, sprachlich aneinander anzugleichen … mehr und mehr sind es keine Arbeiten aus einem Guss, sondern sprachliche Konglomerate.

     

    Was die Schüler beginnen – und womit sie in der Schule durchkommen – setzen die Heranwachsenden / Erwachsenen fort. Mehr und mehr wandeln wir uns zu einem Volk von Abschreibern und Referenten … Sprachpuzzelei statt Kreativität …

     

  • Die Maskerade

    … ist vorbei, denn schließlich war ja Aschermittwoch! Jetzt sehen wir von allen Menschen wieder die wahre, unverhüllte Seite …

    Das glaubt hoffentlich niemand! Denn jeder Mensch versucht sich selbst zu präsentieren – etwas darzustellen. Es variiert oft nur die Intensität der Darstellung. Je nach Umgebung, je nach dem Publikum, je nach Situation ändert sich das Verhalten – teilweise eklatant.

    Ob es nun der liebenswürdige, sanfte Mensch ist, der am Steuer zum fluchenden Verkehrsrowdy mutiert oder der nette Nachbar, der sich in den heimischen vier Wänden als Familientyrann entpuppt: es gibt unzählige Gelegenheiten, bei denen ein Mensch – zuweilen unvermutet und schockierend – sein Verhalten ändert. Auch das beflissene Verhalten dem Chef gegenüber bei gleichzeitigem Ausfahren der Ellbogen im Kollegenkreis gehört zu diesem Repertoire, aber noch vieles Andere mehr. Eigentlich verhalten wir uns in jede denkbare Richtung auf eine dementsprechend angepasste Weise. Und auch das ‚eigentlich ganz normale‘ Verhalten kann man – streng genommen – als Maskerade interpretieren.

    In diesem Sinne: fröhliches Weiterfeiern … 😉

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  • Tausendsassa

    Hin und wieder bin ich im Netz auch mal auf Seiten unterwegs, die ich sonst schon deshalb nicht anschaue, weil (nicht nur) Papier geduldig ist und jeder eigentlich alles Mögliche (mehr oder weniger Sinnvolle) dort schreiben kann. Zuweilen bricht aber wohl eine gewisse masochistische Ader in mir durch, und ich tue mir ein solches Elaborat an. Und so kommt es wie es kommen muss …

    …da bezeichnet sich jemand als ‚Multitalent und Lebenskünstler‘. Aha! Das soll wohl ausdrücken, dass sich dieser Mensch gegenüber anderen Menschen (andernfalls müsste man es ja nicht extra hervorheben) als besonders talentiert empfindet und glaubt, außerordentlich einfallsreich das Leben zu meistern. Und offenbar glaubt dieser Mensch, dies herausstreichen zu müssen, damit es auch ja jeder erkennt. Offenbar ist das dem Uneingeweihten nicht ersichtlich … oder kann von diesem ohne den ausdrücklichen Hinweis nicht ausreichend gewürdigt werden.
    „Talent“ und „Lebenskunst“ sind hier aber nicht wirklich definiert – und demnach „Allzweckbegriffe“ ohne tiefere Bedeutung …

    Jeder von uns ist im Leben mit vielen Herausforderungen konfrontiert. Es benötigt eine ganze Reihe von Fertigkeiten, diese Aufgaben zu meistern. Den Meisten gelingt dies recht gut – sie ‚kommen zurecht‘. Eine Menge Menschen haben also viele (=multi) Fähigkeiten (=Talente) und sie können diese im Leben fantasiereich (=kunstvoll) einsetzen, um im Alltag zu bestehen. Insofern sind die meisten Menschen solche ‚Tausendsassas‘, auch wenn sie dies nicht an die große Glocke hängen.

    Ein Hoch auf die Menschen, die froh und einfallsreich ihr Leben meistern, und die nicht ständig zur Selbstbeweihräucherung greifen müssen, um auf sich aufmerksam zu machen: Menschen, die nicht mit leeren Worthülsen herumposaunen „seht mich an“!

    Heute gibt es kein Bild, denn im Beitrag zuvor ist bereits das Bild eines außerordentlich lebenstüchtigen und vielseitig begabten Wesens, das es offenbar nicht nötig hat, dies lauthals kundzutun …

  • Wer kontrolliert hier wen?

    Wir Menschen haben ja gerne alles unter Kontrolle, und wir halten unseren Standpunkt für den einzig Wahren. Bei all der Kontrollsucht und Rechthaberei scheinen wir aber meistens zu vergessen, dass eine Situation durchaus auf verschiedene Weise gesehen werden kann: und plötzlich ändert sich dann Alles.

    Stellen wir uns eine Katze vor, die einer Maus hinterher jagt. Die Katze will die Maus fangen, (und damit quasi) deren weiteres Schicksal bestimmen. Seit dem Moment aber, wo sie die Entscheidung getroffen hat – ob bewusst oder instinktiv – die Maus als Beute zu betrachten, bestimmt diese potentielle Beute ihr Handeln. Wir können also im Umkehrschluss durchaus die Situation so auffassen, als ob die Maus den Weg der Katze (zumindest eine Zeitlang) bestimmt. Oder wir sehen es einfach aus dem Blickwinkel, dass es das Jagdfieber ist, von dem die Katze beherrscht wird.

    Denken wir an einen Menschen, der ein Handy mit sich führt, weil er ganz viele Informationen bekommen und schnell darauf reagieren können will. Er will ‘dabei sein’, von jedem Ereignis zeitnah erfahren und selber seine Meinung und Erlebnisse kundtun. Hat nun der Mensch eine Erweiterung seiner kommunikativen Möglichkeiten durch das Handy, oder ist er in einer anderen Sicht nicht sogar am Gängelband eines ‘Hightech-Tamagotchi’? Wie oft sehen wir Menschen, die zombiehaft wie in einer eigenen Welt auf ein Display starrend den Weg durch die Menge gehen? Das Handy als ‘kommunikativer Nuckel’ in einer virtuellen Parallelwelt …

    Betrachten wir einen Workoholic, der sich keine Minute Ruhe gönnt und all seine Kraft in die eigene Firma steckt. Er arbeitet hart, weil er alles bestimmen und steuern will, aber letztlich ist er – von einer anderen Warte gesehen – nur ein Gefangener seiner Arbeitswut und seines Ehrgeizes…

    Was können wir daraus lernen?

    Wir sollten immer wieder unseren Blick auf die Welt hinterfragen und uns immer wieder auch – und wenn es nur für eine Stunde / einen Tag ist – aus der Gewohnheit herausziehen und etwas völlig Anderes oder bewusst nichts tun. Gerade das Nichts-Tun hat in diesem Sinne eine ganz besondere Qualität, weil es uns hilft, den Strom unserer Gewohnheiten zu unterbrechen. Das Nichts-Tun muss man sich erarbeiten, so paradox das klingt, denn kaum will man damit beginnen, stürmen einem eine Fülle an Gedanken durch den Kopf und der Wunsch, in die Gewohnheiten zurückzugehen, wird übermächtig. Ich denke aber, dass es wichtig ist, sich manchmal ‘zurückzulehnen’, um die seltsamen Verstrickungen und Widersprüche in unserem Leben zu erkennen. Nur dann kann man aus der tiefen Spur seiner Gewohnheiten herausfinden.
    Und wir sollten immer wieder aufs Neue versuchen, einen Blickpunktwechsel vorzunehmen, um Dinge aus verschiedener Sicht zu sehen und so z.B. mehr vom Wesen einer Situation zu verstehen.

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    Als erste Übung können wir uns einmal überlegen, was dieser Gorilla wohl empfinden mag, wenn er durch das Glas auf die „andere Seite“ schaut. Und wir können vielleicht dabei erkennen, auf welcher Seite die Wesen sind, die sich am meisten ‚zum Affen machen‘ …

     

  • Die roten Tage

    … nenne ich diese Zeit im Jahr insgeheim, denn viele Blätter nehmen jetzt, da das Blattgrün verschwindet, einen roten Farbton an. Natürlich ist das etwas zu pauschal formuliert, denn es gibt allerlei andere Blattfarben im gelblich-bräunlichen Bereich, die ebenfalls sehr attraktiv sein können. Schon jahrelang schwebt mir vor, den Begriff ‚Blattgold‘ einmal wörtlich zu nehmen. Dazu möchte ich eine Gegenlichtsituation nutzen. Es darf aber kein (starker) Wind herrschen und die Blätter sollen annähernd perfekt sein. Gleichzeitig darf natürlich auch im Hintergrund kein Element stören…

    Wie man sieht, kann es noch etwas dauern 😉 . Deshalb heute eine Collage, die dem plakativen Titel dieses Betrages hoffentlich gerecht wird …

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  • Ziele

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    Wir Menschen neigen dazu, uns große und weite Ziele zu stecken, „etwas aus unserem Leben machen“ zu wollen. Doch damit tun wir uns oft nicht wirklich einen Gefallen. Ziele sind sicher nützlich, da sie unserem Leben eine Richtung geben, wie ein Leuchtturm, an dem wir unserem Kurs ausrichten können. Aber viele Menschen legen den Begriff „Ziel“ zu eng – und meist materialistisch – aus.

    Indem ich mein Tun und Lassen an einem Ziel ausrichte, enge ich auch meine Wahrnehmung und meine Möglichkeiten ein. Plötzlich fällt jede Aktion in eine der Kategorien „dienlich“ und „unnütz“. Umwege kosten Zeit und Geld und sind daher zu vermeiden! Wirklich? Wie oft ist es uns im Leben passiert, dass wir auf einem Umweg etwas wahrgenommen oder erlebt haben, was uns ansonsten nicht zuteil geworden wäre? Etwas Besonderes, von dem wir noch lange zehren!

    Wie ist es mit Zielen, die mit unserem Leben, unserem Fühlen und unserer Seele zu tun haben? Ziele, die sich nicht so präzise messen und verifizieren lassen wie solche, die mit Geld und Besitz zu tun haben! Und es stellt sich die Frage, ob nicht gerade die materiellen Ziele den Anderen (und möglicherweise wesentlichen) im Wege stehen…?
    Eines meiner aktuellen Ziele ist es, das Leben nicht zu vergessen, während ich auf ein längerfristiges Ziel hinarbeite. Das mag den Zeitraum bis zum Erreichen meines Wunsches verlängern, aber dafür nehme ich mir jeden Tag die Zeit, etwas für mich zu tun und nicht Vieles zu unterdrücken – quasi mein Erleben zeitweise auf Eis zu legen – nur um „schneller anzukommen“. Das halte ich für ganz wesentlich: sich aus der Tretmühle des Alltags immer wieder herauszunehmen und sich den Moment bewusst zu machen; mit wachen Sinnen den Moment zu (er)leben. Einen Moment inne zu halten, einen kleinen Umweg gehen, etwas anders zu machen als sonst … das gibt dem Leben neue Impulse und lässt unsere Gedanken in neue Bahnen fließen.

    Was hat das mit dem Morpho zu tun? Ich hatte das Ziel, endlich einmal ein richtig schönes Foto dieses Schmetterlinges zu machen. Doch in den gängigen Schmetterlingshäusern ist immer so viel los, dass die Tiere schnell aufgeschreckt werden. Hat man dann einen Falter in schöner Positur erspäht, sind genügend andere Besucher da, die ihn auch sehen und ablichten wollen, und meist ist er weg, bevor man zum Zuge kommt. Man kann natürlich dieses Ziel verbissen so lange verfolgen, bis es endlich funktioniert. In diesem (Zu)Fall war es ein ganz kleines Schmetterlingshaus mit sehr wenigen Besuchern, wo es völlig ungeplant geklappt hat. Umso größer die Freude!
    Leichtigkeit und wache Sinne bringen uns oft weiter als Verbissenheit – in jedem Fall sind sie besser für unsere Gesundheit und unsere Seele!!!

  • Die Perseiden …

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    …sind uns als Meteorschauer im August bekannt und werden auch ‚Laurentius-Tränen‘ genannt. Ich wollte sie dieses Jahr wegen der günstigen Bedingungen (fast Neumond, wolkenloser Himmel) noch intensiver als sonst verfolgen und habe mich deshalb in der zweiten Nachthälfte ins Feld begeben. Wirklich viele habe ich leider trotzdem nicht gesehen, und das Fotografieren war auch deshalb recht schwierig. Im Laufe der Zeit hat sich das Rauschen durch die Sensorerwärmung deutlich verstärkt. So habe ich nur dieses stark durch die Mangel gedrehte Bild anzubieten, ‚besser als nichts‘.

    Dieser 13.08. hat vieles Andere noch gebracht, manch Gutes, aber auch einen schweren Gang … und das Gefühl, dass es bei Weitem nicht genug Sternschnuppen gibt für die guten Wünsche, die die Welt und die Menschen so dringend nötig haben.

  • Die Menschheit …

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    … ist nichts weiter als eine parasitische Zecke, die sich am momentanen Überfluss labt, solange die Meere niedrig sind und das Klima vergleichsweise gnädig ist. Doch die gegenwärtige Anordnung von Land und Meer wird sich ändern und mit ihr unsere kurze Vormachtstellung.“

    (Richard Fortey)

  • Ein schönes Gelb

    ist allenthalben auf den Feldern zu sehen – der Raps steht in voller Blüte. Und wenn man den Blick über die Landschaft schweifen lässt, dann merkt man, wie viel von der zur Verfügung stehenden Fläche für den Rapsanbau verwendet wird.

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    Es mag ein netter Anblick sein, aber man sollte nicht vergessen, dass dort, wo Raps steht, kein Getreide, keine Kartoffeln … eben keine Nahrungsmittel wachsen. Abgesehen von etwas Öl für die Küche wandert der Löwenanteil in Kraftstoff. Offenbar haben wir es nicht mehr in dem Maße wie früher nötig, unser Land für die Gewinnung von Essen zu nutzen…

    Früher haben mir diese Felder gefallen, weil sie so schön gelb sind …

     

     

  • Nur per Zufall

    … habe ich diese Stelle im Heftricher Wald gefunden, obwohl ich schon lange nach einem Ort gesucht habe, wo Buschwindröschen ‚wie gesät‘ wachsen. Selbst wenn es Stellen mit Massenvorkommen gibt, ist immer irgendetwas nicht passend: mal stehen die Bäume zu dicht, mal stimmt die Himmelsrichtung für die gewünschte Lichtstimmung nicht. Und nur weil ich wegen des Lokführerstreiks mit dem Auto gefahren bin, war ich zur rechten Zeit am rechten Ort.

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    Wir ärgern uns oft über Zeitverluste und ungeplante Änderungen unserer Abläufe. Nehmen wir solche Dinge einfach als Chance, andere Eindrücke in uns aufzunehmen und  uns darüber zu freuen, aus unserem Trott gerissen zu werden …