Wir Menschen haben ja gerne alles unter Kontrolle, und wir halten unseren Standpunkt für den einzig Wahren. Bei all der Kontrollsucht und Rechthaberei scheinen wir aber meistens zu vergessen, dass eine Situation durchaus auf verschiedene Weise gesehen werden kann: und plötzlich ändert sich dann Alles.
Stellen wir uns eine Katze vor, die einer Maus hinterher jagt. Die Katze will die Maus fangen, (und damit quasi) deren weiteres Schicksal bestimmen. Seit dem Moment aber, wo sie die Entscheidung getroffen hat – ob bewusst oder instinktiv – die Maus als Beute zu betrachten, bestimmt diese potentielle Beute ihr Handeln. Wir können also im Umkehrschluss durchaus die Situation so auffassen, als ob die Maus den Weg der Katze (zumindest eine Zeitlang) bestimmt. Oder wir sehen es einfach aus dem Blickwinkel, dass es das Jagdfieber ist, von dem die Katze beherrscht wird.
Denken wir an einen Menschen, der ein Handy mit sich führt, weil er ganz viele Informationen bekommen und schnell darauf reagieren können will. Er will ‘dabei sein’, von jedem Ereignis zeitnah erfahren und selber seine Meinung und Erlebnisse kundtun. Hat nun der Mensch eine Erweiterung seiner kommunikativen Möglichkeiten durch das Handy, oder ist er in einer anderen Sicht nicht sogar am Gängelband eines ‘Hightech-Tamagotchi’? Wie oft sehen wir Menschen, die zombiehaft wie in einer eigenen Welt auf ein Display starrend den Weg durch die Menge gehen? Das Handy als ‘kommunikativer Nuckel’ in einer virtuellen Parallelwelt …
Betrachten wir einen Workoholic, der sich keine Minute Ruhe gönnt und all seine Kraft in die eigene Firma steckt. Er arbeitet hart, weil er alles bestimmen und steuern will, aber letztlich ist er – von einer anderen Warte gesehen – nur ein Gefangener seiner Arbeitswut und seines Ehrgeizes…
Was können wir daraus lernen?
Wir sollten immer wieder unseren Blick auf die Welt hinterfragen und uns immer wieder auch – und wenn es nur für eine Stunde / einen Tag ist – aus der Gewohnheit herausziehen und etwas völlig Anderes oder bewusst nichts tun. Gerade das Nichts-Tun hat in diesem Sinne eine ganz besondere Qualität, weil es uns hilft, den Strom unserer Gewohnheiten zu unterbrechen. Das Nichts-Tun muss man sich erarbeiten, so paradox das klingt, denn kaum will man damit beginnen, stürmen einem eine Fülle an Gedanken durch den Kopf und der Wunsch, in die Gewohnheiten zurückzugehen, wird übermächtig. Ich denke aber, dass es wichtig ist, sich manchmal ‘zurückzulehnen’, um die seltsamen Verstrickungen und Widersprüche in unserem Leben zu erkennen. Nur dann kann man aus der tiefen Spur seiner Gewohnheiten herausfinden.
Und wir sollten immer wieder aufs Neue versuchen, einen Blickpunktwechsel vorzunehmen, um Dinge aus verschiedener Sicht zu sehen und so z.B. mehr vom Wesen einer Situation zu verstehen.
Als erste Übung können wir uns einmal überlegen, was dieser Gorilla wohl empfinden mag, wenn er durch das Glas auf die „andere Seite“ schaut. Und wir können vielleicht dabei erkennen, auf welcher Seite die Wesen sind, die sich am meisten ‚zum Affen machen‘ …
