Lange Jahre musste man sich vorher recht gut überlegen, was man schrieb, denn ein Fehler hatte relativ gravierende Folgen. Zum Beispiel, dass der Lehrer – der ein Radieren im Hausheft nicht gestattet hat – die Aufgabe neu schreiben ließ oder als nicht genügend bewertete! Oh ja, das gab es! Oder ein Schreiben auf der Maschine musste komplett neu getippt werden. Spätestens ab der dritten Verwendung von Tipp-Ex sah es nämlich nicht mehr seriös aus 😉 . Und auch wenn ein formulierter Sachverhalt sich hinterher doch nicht so ganz schlüssig las, war eine Neufassung angesagt. Damals musste man recht ‚formulierungssicher‘ sein, und das Schreiben von Konzepten war oft geübte Praxis.
Als dann die Computer verfügbar waren, bekam das Schreiben eine ganz andere Qualität. Ich erinnere mich noch, wie es mir seinerzeit Spaß machte, einen Text immer und immer wieder abzuändern – Schreiben wurde ‚dynamischer‘, denn ein Text konnte quasi ‚plastisch‘ werden: in andere Absatzformate fließen, oder sein Aussehen durch Schrift-Arten und -Attribute verändern. Der Computer bot die Möglichkeit, mehr Zeit zum Feilen am Ausgangsmaterial aufzuwenden.
Mittlerweile ist durch die weiter fortschreitende Computerisierung und gerade auch durch das Internet das hastige Zusammenstoppeln von Textpassagen zu oberflächlichen Elaboraten gang und gäbe. Jeder Lehrer kann es an der Qualität vieler ihm vorliegenden Referate erkennen. Oft machen sich die Schüler nicht mal mehr die Mühe, die Versatzstücke, aus denen sie ihre Hausarbeiten zimmern, sprachlich aneinander anzugleichen … mehr und mehr sind es keine Arbeiten aus einem Guss, sondern sprachliche Konglomerate.
Was die Schüler beginnen – und womit sie in der Schule durchkommen – setzen die Heranwachsenden / Erwachsenen fort. Mehr und mehr wandeln wir uns zu einem Volk von Abschreibern und Referenten … Sprachpuzzelei statt Kreativität …