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  • ‚Apperitis‘

    Als Verbraucher und Supermarktkunde fühle ich mich durch die aktuell sehr stark um sich greifende ‚Andienung‘ von Apps durch die Verbrauchermärkte gegängelt. In jedem Fall ist es so, dass ich – falls ich meine Daten nicht verkaufen und keine App nutzen will – erhebliche finanzielle Nachteile beim Einkauf habe.

    Meine Daten sind mir aktuell mehr wert als die Einsparung, auch wenn diese zuweilen nicht unerheblich ist. Ich frage mich aber: ist das Aufnötigen einer App als Voraussetzung dafür, Geld beim Einkaufen zu sparen überhaupt zulässig? Und ist das Voraussetzen der Nutzung einer bestimmten Technik überhaupt statthaft? Salopp formuliert könnte man im Extremfall sagen: „Wer zu arm ist um ein Handy zu nutzen kann sich das Sparen beim Einkauf nicht leisten“.

    Ich sehe da ein großes Problem und frage mich, ob man nicht gegen eine solche Verfahrensweise mit Erfolg klagen könnte. Dass so etwas von höherer Stelle hingenommen wird – oder sogar gewünscht ist – lässt mich allerdings vermuten, dass es ein übergeordnetes Interesse daran gibt, dass flächendeckend Mobiltelefone genutzt werden. Die Kontrollierbarkeit und die Lenkbarkeit der Massen über diese ‚Denkprothese‘ scheint alle anderen Bedenken auszuschalten.

    Schöne neue Welt …

  • Besinnlich …

    Wie oft liest und hört man dieser Tage den Wunsch nach einer ‘besinnlichen’ Weihnacht. Eine Zeit der Besinnung also, die man wünscht.

    Da stellt sich mir die Frage, wie ernst dieser Wunsch gemeint ist und ob er nicht mittlerweile zu einer Floskel verkommen ist. Wenn wir in die Welt sehen und feststellen, wie viel Unrecht geschieht: an der Menschlichkeit, an der Umwelt – wenn man sieht, wie sehr die Begriffe Ehrlichkeit, Verlässlichkeit, Mitgefühl an Bedeutung verlieren, dann stellt man fest, dass es dringend erforderlich ist, dass sich etwas ändert. Dazu gehört für uns Menschen eine Zeit der Reflexion – also Zeit und der Wille zum Nachdenken und die Ergebnisse des Nachdenkens dann auch wirklich umzusetzen.

    Aber unter diejenigen, die uns eine ‘besinnliche Zeit’ wünschen sind eben auch Firmen, die uns ständig mit Waren versorgen wollen, von denen man bei genauem Hinsehen auf Vieles verzichten könnte. Sollen wir also zur Besinnung kommen und unseren Konsum zurückschrauben? Das fände ich einen sehr edlen Standpunkt 😉 … man möge mir verzeihen, dass ich das nicht glauben kann.

    Besinnlich bedeutet nicht, dass man abgefüllt und apathisch im Wohnzimmersessel hockt. Es bedeutet, dass man die Zeit nutzt, um nachzudenken. Idealerweise gewinnt man dadurch Einsichten (man sollte … es wäre besser …) die das Leben positiv verändern können.

    Warum aber fühlt man sich bemüßigt, eine besinnliche Zeit zu wünschen? Weil wir das ganze Jahr über nicht mehr zur Besinnung kommen (und bedeutet dies etwa, dass wir quasi besinnungslos durchs Jahr geschoben werden)?

    Wir sollten uns bewusst werden, dass diese Art zu Leben: aus dem Stress gleich in die Zerstreuung, und ja keinen Moment ungenutzt lassen – dass uns dies zu einer Art Automaten macht – von äußeren Einflüssen getriggert hecheln wir allerlei Dingen nach und fragen uns kaum noch nach deren Sinn.

    Wir sollten uns überlegen, ob nicht das ganze Jahr lang immer wieder bewusst eine „besinnliche Auszeit“ helfen kann, unser Leben zu verbessern und zu bereichern. Das können ein paar Minuten, Stunden oder auch Tage sein, die man nutzt, um in sich hineinzuhorchen. Diese wertvollen Informationen werden vom Getöse der Welt viel zu häufig übertönt. Und außerdem tut es gut, endlich wieder einmal seinen eigenen Kopf zu nutzen, zu fragen: „Was will ich denn eigentlich selbst?“ und sich nicht ständig das Bild der Welt von Anderen zeichnen zu lassen. Klar sind wir auf Informationen von außen angewiesen. Aber wir müssen lernen, uns selbst ein Urteil zu bilden und daraus unsere Konsequenzen zu ziehen. Auch aus welchen Quellen wir unsere Informationen beziehen! Um konsequentes Handeln kommen wir nicht herum, und wir sollten unsere „Freiheit des selbständigen Denkens“ – einmal wiedergewonnen – nicht mehr aus der Hand geben.

    Das Jahr war sehr vielfältig, und es gab viele Momente, die mich sehr betroffen gemacht haben. Mein größter Wunsch ist, dass die Menschen sich nicht mehr wie ferngesteuerte Idioten verhalten, die jeder Angstmacher in eine beliebige Richtung lenken kann.

    Wir haben / die Welt hat große Probleme, die wir nicht durch Egoismus und ganz besonders auch nicht mit Rezepten lösen kann, die ein dreiviertel Jahrhundert alt sind (und damals schon versagt haben). Ihnen ist auch nicht durch das Fortschreiben der bisherigen (Miss-)Wirtschaft beizukommen. Es werden auch hier gute neue Ideen und die Bereitschaft benötigt, neue Wege zu gehen.

    In diesem Sinne wünsche ich uns allen eine besinnliche Zeit verbunden mit der Hoffnung, dass endlich ein paar Menschen wieder zur Besinnung kommen …

  • Es geht bald los …

    Bald geht es los … so um Maria Geburt fliegen die Schwalben gen Süden. Ich hoffe auf ein Wiedersehen im kommenden Jahr und gelegentlich auf eine Trendwende. Denn aktuell sind die Bestände eher rückläufig, was auf die immer geringer werdende Insektenzahl zurückzuführen ist. Aber wir brauchen ja entsprechende Spritzmittel, damit der Landwirt höhere Erträge erzielen kann. Dadurch werden dann die erzeugten ‚Waren‘ so billlig, dass es sich lohnt, z.B. Weizen als Heizmittel zu verwenden. Einmal nach „Weizen verheizen“ ‚gurgeln‘ und es wird einem Einges klar.
    Ich bin entsetzt und halte dies für extrem abseitig …
    Jetzt ist auch verständlich, warum mir der statt ‚Waren‘ eigentlich naheliegende Begriff ‚Lebensmittel‘ nicht so recht über die Finger kommen wollte.
  • Getretener Quark wird breit, nicht stark …

    Lange Jahre musste man sich vorher recht gut überlegen, was man schrieb, denn ein Fehler hatte relativ gravierende Folgen. Zum Beispiel, dass der Lehrer – der ein Radieren im Hausheft nicht gestattet hat – die Aufgabe neu schreiben ließ oder als nicht genügend bewertete! Oh ja, das gab es! Oder ein Schreiben auf der Maschine musste komplett neu getippt werden. Spätestens ab der dritten Verwendung von Tipp-Ex sah es nämlich nicht mehr seriös aus 😉 . Und auch wenn ein formulierter Sachverhalt sich hinterher doch nicht so ganz schlüssig las, war eine Neufassung angesagt. Damals musste man recht ‚formulierungssicher‘ sein, und das Schreiben von Konzepten war oft geübte Praxis.

    Als dann die Computer verfügbar waren, bekam das Schreiben eine ganz andere Qualität. Ich erinnere mich noch, wie es mir seinerzeit Spaß machte, einen Text immer und immer wieder abzuändern – Schreiben wurde ‚dynamischer‘, denn ein Text konnte quasi ‚plastisch‘ werden: in andere Absatzformate fließen, oder sein Aussehen durch Schrift-Arten und -Attribute verändern. Der Computer bot die Möglichkeit, mehr Zeit zum Feilen am Ausgangsmaterial aufzuwenden.

    Mittlerweile ist durch die weiter fortschreitende Computerisierung und gerade auch durch das Internet das hastige Zusammenstoppeln von Textpassagen zu oberflächlichen Elaboraten gang und gäbe. Jeder Lehrer kann es an der Qualität vieler ihm vorliegenden Referate erkennen. Oft machen sich die Schüler nicht mal mehr die Mühe, die Versatzstücke, aus denen sie ihre Hausarbeiten zimmern, sprachlich aneinander anzugleichen … mehr und mehr sind es keine Arbeiten aus einem Guss, sondern sprachliche Konglomerate.

     

    Was die Schüler beginnen – und womit sie in der Schule durchkommen – setzen die Heranwachsenden / Erwachsenen fort. Mehr und mehr wandeln wir uns zu einem Volk von Abschreibern und Referenten … Sprachpuzzelei statt Kreativität …

     

  • Ein schönes Gelb

    ist allenthalben auf den Feldern zu sehen – der Raps steht in voller Blüte. Und wenn man den Blick über die Landschaft schweifen lässt, dann merkt man, wie viel von der zur Verfügung stehenden Fläche für den Rapsanbau verwendet wird.

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    Es mag ein netter Anblick sein, aber man sollte nicht vergessen, dass dort, wo Raps steht, kein Getreide, keine Kartoffeln … eben keine Nahrungsmittel wachsen. Abgesehen von etwas Öl für die Küche wandert der Löwenanteil in Kraftstoff. Offenbar haben wir es nicht mehr in dem Maße wie früher nötig, unser Land für die Gewinnung von Essen zu nutzen…

    Früher haben mir diese Felder gefallen, weil sie so schön gelb sind …

     

     

  • Die Rückkehr

    … der Kraniche konnten wir vorhin auf einem Spaziergang beobachten. Auch wenn es immer nur kleine Trupps sind, die im Frühjahr hier durchziehen – ab und zu hat man das Glück, einen Blick zu erhaschen.

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    Frühjahr? Ja, die Anzeichen mehren sich; die Natur erwacht wieder. Überall sieht man aufgeregte Vögel flattern und man hört sie anders rufen, als noch vor ein paar Wochen. Obwohl es erst Mitte Februar ist, scheint der Frühling nicht mehr fern zu sein. Das scheint man auch den Lämmchen anzusehen …

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  • Stille Zeit

    Wenn man es schafft, die allgegenwärtige vorweihnachtliche Hektik ‚wegzusperren‘ und sich auf die Tristesse in der Natur einzulassen, so wird man etwas gewinnen, was einem sonst nur allzu leicht entgeht:

    Zeit zum Nachdenken, um zu sich finden und Entscheidungen zu treffen: Was ist wichtig? Wovon will ich mich trennen? Wo geht die meiste Zeit sinnlos verloren?

    Gar zu oft haben Menschen – und da will ich mich selbst nicht ausnehmen – Angst davor, allein zu sein oder unverplante Zeit vor sich liegen zu haben. Zeit … oder nennen wir es Muße … kann aber etwas außerordentlich Wertvolles sein, so man sie zu nutzen weiß. Denn den Gedanken ihren Lauf und die Zeit ‚wegtröpfeln‘ zu lassen ist etwas, das man erst auszuhalten lernen muss. Auch dazu braucht es Zeit, die sich heutzutage viele Menschen nicht mehr nehmen. Wer aber nicht über sich und seinen Kurs im Leben ab und zu reflektiert, gerät in Gefahr, ziellos von einer Zerstreuung zur nächsten zu treiben…

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    Ein Geheimnis sei an dieser Stelle schon verraten: es ist nicht die Zeit der Untätigkeit, die als ’sinnlos verloren‘ zu bewerten sei … sinnlos ist die Zeit, die man totschlägt …

     

  • Der magische Augenblick

    … ist für mich der i-Punkt eines besonderen Tages. Im Urlaub haben wir meist mehr Zeit, um diese Momente zu erkennen, ja überhaupt erleben zu können. Im Alltag sollten wir dringend öfter einmal innehalten. Zu oft lassen wir uns von der Hektik um uns, den ‚Umständen‘, den (vermeintlichen) Sachzwängen in ein enges zeitliches Korsett zwängen, Scheuklappen aufsetzen.

    Es wird Zeit, dass sich das ändert! Dringend!!!

    Hier ein magischer Moment von der Reise zum Bodensee …

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  • Stolpersteine

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    … nennt man die Messingtafeln, die vor den Häusern in den Bürgersteig eingelassen werden, wo jüdische Mitbürger gewohnt haben, die in der Zeit des dritten Reiches deportiert (und in den Konzentrationslagern ermordet) wurden. In meinem Heimatort war es heute soweit, und die Stolpersteine wurden verlegt!
    Doch es war ein langer Weg bis dorthin, der keineswegs geradlinig verlief. Natürlich kann es sich in der heutigen Zeit keine politische Kraft leisten, offen gegen eine solche Initiative zu sein. Deshalb waren prinzipiell auch alle Fraktionen dafür, das den Juden in unserer Gemeinde angetane Unrecht nicht unter den Teppich zu kehren. Wie aber diese Würdigung / Dokumentation aussehen sollte, das war sehr umstritten.

    So konnte man als Zaungast der ersten Versammlungen ein Lehrstück zu dem Thema erleben, wie Politik im Kleinen ‚funktioniert‘. Für mich stellte es sich so dar, als ob teilweise mit einer gewissen Subversivität versucht wurde, die nach außen dargestellte Zustimmung durch Komplikationen in der Ausführung zu verwässern, bis die Aktion vielleicht sogar im Sande verliefe. Nachdem ich erlebt hatte, wie das Mitglied einer Fraktion (ich nenne keine Namen, aber es ist definitiv nicht die kleinste politische Kraft hier, eher im Gegenteil) schon vor der Versammlung den später von ihm offiziell vorgetragenen Spruch dreimal seinen Kollegen vor’posaunt‘ hatte, gab ich mich ob der Eingefahrenheit von Standpunkten keinen Illusionen mehr hin.
    Kurz und (weniger) gut: es gab allerlei Winkelzüge … von dem Gedanken, statt der Stolpersteine an einem einzigen Ort ein Schild mit einem Infotext zu installieren (da muss es wenigstens keiner sehen, der nicht explizit dorthin geht) bis zu der Verpflichtung, dass jeder Besitzer / Bewohner eines durch Stolperstein(e) markierten Hauses unbedingt seine Zustimmung geben müsse, war so ziemlich alles dabei. Dass es letztlich doch funktioniert hat, ist sicher der unentwegten Tätigkeit der Initiativgruppe zuzuschreiben.
    Ich finde es paradox, wie sehr man den vermuteten Befindlichkeiten der heutigen Bewohner dieser Häuser Rechnung tragen wollte und dabei in Kauf genommen hätte, dass das Leid der damaligen jüdischen Mitbürger wie üblich unter den Teppich gekehrt werden sollte. Kann sich irgend jemand vorstellen, was in diesen Menschen vorgegangen sein muss, als sie nach Jahren der Ausgrenzung unter für sich immer ungünstiger werdenden äußeren Bedingungen plötzlich abgeholt wurden ins Ungewisse – von dem sie vielleicht schon ahnten, was es sein würde … und sie nie gedacht hatten, dass es soweit kommen würde? Viele hätten früher weggehen können, aber sie hingen halt an der Heimat – und wer kann es ihnen verdenken? Die Geschichte des Paares Adolf und Dora Kahn, deren Steine ich hier zeige, ist in einem Punkt besonders tragisch, weil ihr Wunsch, zu den bereits in Amerika lebenden Kindern auszuwandern, durch bürokratische / gesetzliche Hemmnisse so lange verzögert wurde, bis es zu spät war. Bis zuletzt hatten sie gehofft, die Ausreisepapiere noch zu bekommen …

    Ich finde es gut, dass es jetzt endlich geklappt hat mit den Stolpersteinen, und dass sie nicht der (leider) allgegenwärtigen Engstirnigkeit zum Opfer gefallen sind!