… nennt man eigentlich den Brauch, in einem Jahrgang zur Geburt eines Kindes zu gratulieren. Es gibt aber noch einen anderen Baum, der von einer Gruppe junger Leute im Oktober gestellt wird … den Kerbebaum!
Auch dieses Jahr wollte ich gerne seine Aufstellung fotografieren, aber es hat wohl allerlei Probleme gegeben. Zuerst kam die Truppe nicht voran, dann fing man an mit Metallgestängen herumzuknorzen und letztlich wollte man noch einen Traktor hinzuziehen, weil der Baum wohl doch etwas zu groß ausgefallen sei. Ich konnte es so lange nicht aushalten. Etwas von einer Erkältung mitgenommen merkte ich, dass von ‚fieberfrei‘ wohl doch noch nicht die Rede sein konnte und ich zog mich nach hause zurück.
Die Schwierigkeiten bei der Aufstellung scheinen mir dieses Jahr symbolisch zu sein. Erstmals hat sich kein Geburtsjahrgang zum Ausrichten der Kerb bereitfinden können und es musste eine Interessengruppe herhalten. Kerb scheint uncool zu sein, vermutlich weil man während der paar Tage nicht ständig sein Smartphone in einer Hand halten kann. Außerdem muss man als Kerbegruppe/-jahrgang etwas auf die Beine stellen, organisieren und im Bereich der Veranstaltungen vielleicht auch etwas riskieren. Schließlich müssen nicht alle ‚Events‘ auch zwingend profitabel ablaufen. Alles Dinge, denen ein Großteil der jungen Menschen als Digital-Autisten und Internet-Bürger sich wohl nicht mehr stellen will…
Ich begrüße es, dass sich Menschen bereitfinden, eine nunmehr 175-jährige Tradition weiterzuführen und hoffe, nach anfänglichen Startschwierigkeiten klappt es in den kommenden Jahren auch wieder. Es gibt in unserem sogenannten Gemeinwesen viele Baustellen. Zu wenig Leute fühlen sich solidarisch, Kleinkrämerei scheint sich durchzusetzen. Hoffen wir, dass diese Probleme überwunden werden können. Es kommen auch wieder andere Zeiten, in denen wir möglicherweise eine Dorfgemeinschaft wieder gut brauchen können.
