… wenn man’s trotzdem macht, so möchte man in Anlehnung an einen Spruch über Humor formulieren – nur, dass das Thema überhaupt nicht lustig ist.
Fangen wir ganz langsam an …
heutzutage wäre es völlig undenkbar, eine Straße nach einem überzeugten Nazi zu benennen … ? Falsch! Es gibt einige Straßen, die nach dem nassauischen Heimatdichter Rudolf Dietz benannt sind, der definitiv ein überzeugter Nationalsozialist war und der bereits in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts zahlreiche antijüdische Gedichte veröffentlicht hat. Nun ist diese Information eigentlich nicht neu. Sie wurde aber lange verdrängt, bis sie vor wenigen Jahren doch wieder ans Licht der Öffentlichkeit gelangt ist. Wie geht man nun mit dieser Erkenntnis um?
In Bad Camberg wurde wiederholt im Stadtparlament darüber diskutiert. Schließlich hat man sich mehrheitlich entschieden, die Straße nicht umzubenennen, sondern stattdessen eine Informationstafel anzubringen, die über den Dichter und den Aspekt seiner politischen Überzeugungen informiert.
Es wurde argumentiert, eine Umbenennung der Straße sei den Anwohnern nicht zuzumuten (was übrigens seinerzeit in der Verwaltungsreform keinen Politiker interessiert hat). Letztlich standen ‚die Grünen‘ mit ihrem Antrag allein. Zwei solche Anträge wurden zurückgewiesen, wobei beim zweiten Mal noch der Spruch aufkam, dass man in einer Demokratie irgendwann auch den Willen der Mehrheit endlich einmal akzeptieren und diese somit unsinnige Antragstellerei lassen solle. Außerdem brüstet man sich noch damit und münzt dieses Verhalten so um, als ob man mit einer solchen Maßnahme die Diskussion um die Vergangenheit wach halten würde. Dann wäre sicher auch eine ‚Leni-Riefenstahl-Gasse‘ kein Problem … nur warum benennt niemand eine Straße nach dieser Frau? Eben!!!
Spätestens hier frage ich mich, wer das Wesen der Demokratie nicht verstanden hat. Jedenfalls kann ich den Angehörigen der lokalpolitischen Platzhirsche nicht attestieren, dass sie in dieser Hinsicht besonders entwickelt sind. Spätestens mit dem Hinweis auf die Themen im Bund, bei denen fast jedes Jahr immer wieder dieselben Säue durchs politische Deutschland getrieben werden, müsste man eigentlich nachdenklich werden. Man kann kein Thema endgültig verabschieden, sonst würde z.B. die ‚PKW-Maut‘ nicht immer wieder aufs Tapet gebracht (und das, obwohl sie bei Licht betrachtet nichts weiter als eine Stammtischparole und rechtlich gesehen zumindest fragwürdig ist). Insofern ist Demokratie die fortwährende Auseinandersetzung mit – sicherlich auch unbequemen – Dingen. Und wenn ein solcher Antrag jedes Jahr wieder eingebracht wird, dann ist das eben so! Auch das muss man aushalten, wenn man politisch tätig sein will!










