Leuna

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Beim Abriss eines Gebäudetraktes in Frankfurt-Höchst ist eine besondere Erinnerung an die Geschichte des Chemie-Standorts Höchst sichtbar geworden: An der Brandmauer eines Hauses ist eine bislang verdeckte Werbung der I.G. Farben aufgetaucht. Deutlich erkennbar sind das I.G.-Signet und der Schriftzug „Leuna“.
Leuna, die Stadt im Saalekreis im heutigen Sachsen-Anhalt, war einer der größten Standorte der I.G. Farben.

Vieles schlummert unter der Oberfläche. Es ist verdeckt / versteckt und eine gefällige, neue Hülle macht glauben, dass auch die innere Substanz von gleicher Art sei. Gerade aber die Relikte aus alten Zeiten machen ein Gebäude möglicherweise zu etwas ganz Besonderem, und meiner Meinung nach tut es nicht gut, dies nach außen durch eine moderne, sterile Fassade zu kaschieren. Mich freut es immer, wenn ich einen ‚Anachronismus‘ finde, aus dem ich etwas über die alten Zeiten erfahren oder erahnen kann. Seien es die Isolatoren von längst schon verschwundenen Stromleitungen an der Hauswand, zugemauerte Tür-/Fensteröffnungen oder eine alte verblasste Werbung (z.B. für Becht’s Öl spezial ‚S‘ 😉 ).

Auch beim Mensch ist es häufig so, dass nach außen hin verborgen werden soll, was dem Bild, das man von sich vermitteln will, widerspricht. Das gelingt aber nicht. Irgendetwas fehlt! Denn wer nach außen hin einen Teil seiner Wurzeln versteckt, signalisiert damit auch unbewusst einen inneren Zwiespalt und Unsicherheit – vielleicht nur ein Quäntchen, aber von einem sensiblen Gegenüber wahrnehmbar…
Daher sollte man zu seiner Herkunft und zu seinen Eigenarten stehen, denn nur dann kann man authentisch sein. Jeder hat seine Macken und Fehler – an manchen davon kann (und sollte man) arbeiten, aber andere machen den Menschen (bei aller Exzentrizität) erst zu einem Individuum. Ecken und Kanten eben, an denen man sich reiben kann, die aber zuweilen auch durchaus liebenswert sind.