Scheinheiligkeit

wetterhahn_klein

… ist eine häufig auftretende Eigenschaft, und wir finden sie – Gott sei’s geklagt – gerade dort besonders oft, wo es um den Umgang mit dem Glauben geht. Dabei geht es mir weniger um die sattsam bekannten Skandale in meinem Heimatbistum Limburg. Zum Einen bin ich nicht direkt davon betroffen, wenn sich ein Bischof bei einer Planung finanziell vergaloppiert oder wenn sich ein hochrangiger Bistumsangestellter kräftig selbst bereichert, zum Anderen gibt es genug vor der eigenen Haustür zu kehren!

Vor einiger Zeit habe ich ein sehr bewegendes Konzert der Gruppe ‚Gregorianka‘ erleben dürfen, und ich habe mir vorgestellt, dass es schön wäre, wenn eine solch wunderbare Musik in unserer Dorfkirche erklingen könnte. Gesagt, getan! Ich rief die Agentur an und fragte nach den Konditionen. Diese sind für jeden Veranstalter eigentlich traumhaft. Abgesehen von ein wenig Unterstützung beim Plakatieren und jemand, der die Kirche auf- und zuschließt, wird keinerlei Aktivität benötigt. Zudem gehen 15% der Einnahmen direkt an den Veranstalter. Naiv, wie ich bin, dachte ich, damit offene Türen einzurennen. Weit gefehlt! Abgesehen davon, dass sich die Pfarrei ziemlich bitten lässt, bis dem Fragenden eine Antwort beschieden wird, war der Grundtenor der Replik verhalten negativ. Gerne könnten Konzerte in der Kirche stattfinden, aber nur wenn keinerlei Eintritt erhoben werde. Immerhin wäre ein Kollektieren nach dem Konzert möglich. Man müsse zudem abklären, ob hier nicht weltliche Musik in christlicher Hülle verpackt würde. Auch das sei nicht erwünscht.

Die Vorstellung, dass nach einem wirklich erhebenden Konzert hinterher zwei Euro und ein Hosenknopf in einem Klingelbeutel zusammenkommen könnten, ließ mich unwillkürlich schmunzeln. Trotzdem war ich letztlich sehr enttäuscht. Meine Intention, unter anderem verschiedenen älteren Menschen, die nicht mehr sehr mobil sind, vor Ort ein bewegendes Erlebnis zu ermöglichen, war jedenfalls so nicht umzusetzen. Ich finde die Art und Weise, wie hier von der katholischen Pfarrei agiert wird, gelinde gesagt, unglücklich. Und ich empfinde die Begründung als weltfremd. Für mich ist das überzogene Frömmelei, mit der ich mich nicht identifizieren kann. Nun gut: das Hausrecht muss man respektieren; es muss einem aber nicht gefallen, wie es ausgeübt wird!

Wenn man sich demgegenüber die Offenheit der evangelischen Gemeinden in diesen Dingen betrachtet, kann man fast wehmütig werden. Bad Nauheim zum Beispiel hat in den letzten Jahren in seiner Dankeskirche u.a. Konzerte der Prinzen gesehen, aber auch Angelika Milster wird dort auftreten. Es handelt(e) sich dabei definitiv nicht um rein sakrale Musik!

Wieder eine verpasste Chance!

Ach ja: Ich möchte mich zwar nicht als Nebel-Werfer betätigen, aber Namen werde ich nicht nennen! 😉